Wie gefährlich leben wir eigentlich wirklich? – Teil II

Hallo alle zusammen,

letzte Woche habe ich über die Gefahren die uns im alltäglichen Leben begegnen geschrieben. Sei es Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände oder einfach die unglückliche Verkettungen von Ereignissen, uns könnte jeden Tag etwas zustoßen und uns Schaden zufügen.

Dabei stellt sich die Frage, wie wir als Verbraucher geschützt werden? Was sind unsere Rechte und wie sehen meine Erfolgschancen aus?

Gerne würde ich diese Frage anhand eines Vergleichs diskutieren:

Deutschland versus USA

Die USA ist als Land der unbegrenzten Möglichkeiten bekannt. Gilt das auch in Bezug auf den Verbraucherschutz?

Wahrscheinlich kennt jeder von Euch den Fall der Stella Liebeck. Sie verklagte McDonald´s, weil sie sich mit heißem Kaffee verbrühte und bekam vom Gericht rund $640.000 zugesprochen.

Gleicher Fall – anderes Land

Auch in Deutschlands Mc Donald´s Filialen gehen über tausende Kaffees pro Tag über die Ladentheke. Und eines Tages im Jahr  2009 wiederholte sich der „Stella-Fall“ im Land der Bürokratie – Deutschland. In Bayern zog sich eine junge Frau Verbrennungen zu, weil der Deckel ihres Kaffees nicht fest verschlossen war und sie das heiße Getränk über ihre Beine verschüttete. Sie klagte ebenfalls auf Schmerzensgeld – leider vergeblich.

Die Richter wiesen die Klage mit der Begründung ab, dass das Verschulden der Klägerin die weitaus überwiegende Schadensursache darstellt.  Weiterhin argumentierten die Richter damit, dass dem Menschen nicht jegliches Risiko abgenommen werden kann. Dazu gehöre auch das Prüfen des Verschlusses eines Behälters mit heißer Flüssigkeit.

Warum diese unterschiedlichen Entscheidungen?

In den USA hat Harry Truman den Verbraucherschutz, der bereits schon Ende des 19. Jahrhunderts propagiert wurde, einen großen Schritt weitergebracht. Entgegengesetzt der Lobbyisten der einzelnen Wirtschaftsgruppen, sah er sich als Lobbyist des Volkes und setzte sich für den Schutz und die Rechte der Verbraucher ein. „To get your money´s worth“ war und ist das Motto der Verbraucherverbände wie Consumers´ Union und Consumers´Research in den USA.

Alles schön und gut , aber Verbraucherschutz und –rechte haben wir hierzulande auch. Warum also ist der Stella-Fall nicht der einzige in den USA sondern gang und gebe? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Rechtssysteme der USA zu den der europäischen Ländern und  insbesondere zum deutschen Rechtssystem.

Voraussetzung für einen Schadensersatz ist das fahrlässige Verschulden des Schuldners. Das heißt, laut § 276 BGB hat der Schädiger die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet. Das wiederrum heißt, wer an einem Schaden nicht schuld ist, also diesen nicht zumindest fahrlässig zu verschulden hat, muss für den Schaden auch nicht aufkommen.

Ganz anders also in den USA. 

Hier wird nur von der reinen Verursachung gesprochen und schwupps bist du schuld und schadensersatzpflichtig. Also werden auch solche Fälle für den Kläger entschieden, die auf das allgemeine Lebensrisiko zurückzuführen sind, wie in unserem Kaffeefall in München.

Schade also, dass wir nicht in Amerika leben…?!?!?

Foto

5 thoughts on “Wie gefährlich leben wir eigentlich wirklich? – Teil II

  1. I love this business of looking over the ocean and back, and my question to you is: who is writing about this already and how do they find profitable ways to make the comparisons that might be useful to you? I think you are right to begin with a comparison of legal systems (and not just crazy anecdotes), but even if you read a bookshelf and learned all this stuff, the question for us would remain: how would this be useful in the context of your project in our Themenfeld: what might help you sharpen your question?

    From a business standpoint, I think a good question might be: what are the forces driving German consumer law in the directions that would impact on our businesses: how differently might we insure our businesses to account for increased liability, for example, as our consumer law catches up with our much more globally competitive commercial law?

    Harry Truman in the late 1940s, I suspect we could argue, was worried about making the US safe for the postwar tsunami of cars, houses, and consumer appliances upon which that demand driven economy was based. What might the larger picture behind your example be … which cases do we look at, and why? It would be nice to know more about the method behind the American’s madness, but I would think our question would be: what’s in it for us?

    I hope this helps!

  2. Pingback: For 2.12 | 209410 TF: Entrepreneurship

  3. In den USA gab es auch den Fall, dass ein Mann seine kubanischen Zigarren versichert hat. Nachdem er sie dann geraucht hatte meldete er seiner Versicherung den Schaden und behauptete es wäre Brandstiftung gewesen. Zuerst zahlte die Versicherung den Schaden. Nachdem Sie aber den Fall prüfte, stellte sich heraus, dass die Zigarren vom eigenen Klienten geraucht wurden. Nun zog die Versicherung vors Gericht und forderte weite mehr als das Doppelte, das sie Ihrem Klienten auszahlten. Der Klage wurde zugestimmt! Nice Try Mr. Smoker.

  4. Hier ein interessanter Link zum Thema Gift im Spielzeug. In einer zweiteiligen Dokumentation zeigt Arte mit was unsere Kinder heutzutage spielen und was für Gifte und Schadstoffe dabei enthalten sind. Urteil: Definitiv sehenswert!!

    http://programm.ard.de/TV/arte/gift-im-spielzeug/eid_287249142042091?list=main

    Vielleicht sind wir Verbraucher doch nicht so wehrlos wie wir glauben…

    Und noch ein weiterer interessanter Artikel, wenn es darum geht was wir tagtäglich zu uns nehmen…

    http://www.arte.tv/de/unser-taeglich-gift/3729914,CmC=3729916.html

  5. Zur Zeit läuft gerade die Wiederholung von “Gift im Spielzeug” auf Arte. Super interessant dabei ist, dass es wirklich so viele unterschiedliche Organisationen und engagierte Eltern gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen und auch etwas bewegen können.

    Also sind wir als Verbraucher doch nicht so hilflos gegen die große Industrie und Unternehmen?!

    http://www.cleankids.de/ Wurde zu diesem Zweck ins Leben gerufen. Hier werden Warnungen veröffentlicht, die auch des öfteren zu Drohungen des Betreibers führen – können sich die Unternehmen anderes nicht wehren?

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