Kiez ist nicht gleich Kiez

In Hamburg ist die Sache klar! –wenn man vom Kiez spricht, ist die Reeperbahn mit ihren kleinen, verruchten Nebenstraßen und dem berüchtigten Rotlichtviertel gemeint.

Doch längst ist der Hamburger Kiez nicht mehr nur das Territorium des Horizontalen Gewerbes, der Zuhälter und Drogendealer. Vor 10 bis 15 Jahren war für die jungen Leute aus Hamburg und Umgebung ganz klar, was der Plan fürs Wochenende war: Wir gehen auf den Kiez! Dort fand sich für jeden Musikgeschmack und für jede Vorliebe die richtige Kneipe, Disko oder Bar. Und alles in unmittelbarer Nähe zu einander. Unterdessen stehen Tourismus und schickes In-Wohnviertel dort miteinander in Konkurrenz. Ausgehen kann man immer noch, aber es ist nicht mehr das was es einmal war.

Hier in Berlin sieht die Sache etwas anders aus. Wie ich lernen musste bezeichnet der Begriff Kiez in der Hauptstadt eine Ansammlung von netten Cafés, kleinen Lädchen und ein paar Restaurants vor denen man im besten Fall draußen auf dem Bürgersteig sitzen kann. Kleine Mikrokosmen in der großen Stadt. Wer es sich leisten kann wohnt – natürlich – in einem dieser angesagten Kieze.

Welcher Kiez allerdings en vouge ist, ändert sich alle paar Jahre. Und die Anzahl der beliebten Viertel wächst ständig.

Da wären in Kreuzberg der Bergmann-Kiez, der Graefe-Kiez oder Kreuzberg 36, die seit Jahren zu den Places to be gehören. In Friedrichshain der Simon-Dach-Kiez, auf dem man es vor lauter Coolness kaum noch aushält, sowie der Boxi. In Schöneberg brilliert der Akazien-Kiez mit dem Barbarossa-Kiez um die Wette. Seit Jahren ist in Mitte die Gegend Alte Schönhauser eine begehrte Adresse.

Aber es spießen auch neue Kieze aus demharten Betonboden der Stadt, so zum Beispiel die Rote Insel an der Julius-Leber-Brücke in Schöneberg.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-stadtgeschichte-rote-insel-neben-der-tradition/1937476.html

In Neukölln reift die Schillerpromenade zu einer beachtenswerten Gegend heran.
http://www.schillerpromenade-quartier.de/

Was auffällt ist die Geschwindigkeit mit der sich einige Viertel von ruhiger Wohngegend über angesagten Tummelplatz hin zur anstrengenden  Partymeile verändern. Die Weserstraße in Neukölln brauche nicht einmal 5 Jahre um diese Stadien zu durchleben.
http://www.berliner-kurier.de/kiez-report/kiez-report-neukoelln-berlin-der-spielplatz-der-szene,15601652,16105320.html

Und so stellt sich die Frage wo man hinziehen sollte, um auch für die nächsten Jahre zwar in einem netten Kiez, nicht aber am neuesten „Geheimtipp“ des Lonely Planet zu wohnen.

Vorschläge willkommen!

2 thoughts on “Kiez ist nicht gleich Kiez

  1. Im Prinzip macht das Berlin ja im Vergleich zu anderen (deutschen) Städten so klasse und einzigartig: jeder Bezirk ist anders und bunt.
    Leider hat das nicht immer nur Vorteile. Man kann und konte das in Neukölln und Wedding in den vergangenen vier Jahren gut beobachten: aufgrund der (bezahlbaren) Mieten ziehen Künstler und Studenten in diese Gegenden. Ist die kritische Masse erreicht entsteht eine kulturelle Oase, die Nachahmer anzieht. So zieht Publikum mit höherer Kaufkraft in diese Gegend. Die ersten Häuser werden saniert, die ersten (Bio) Supermärkte sprießen aus dem Boden.
    “Papi zahlt!” ist dann bei “coolen” Studenten das Motto, die trotz bereits steigender Mieten sich diese hippe Bereicherung nicht entgehen lassen wollen.
    So schreitet die Gentrifizierung voran, bis die ursprünglichen Bewohner aufgrund der steigenden Mieten in weit entferntere Randbezirke verdrängt werden. Tja, der schmutzige Kaffee schmeckt aber auch einfach zuu gut in der Szene Bar und kostet dann eben 4 Euro ;-)!

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